Höhere Kreditzinsen = Ende des Immobilienbooms?

Die historisch niedrigen Zinsen für Immobilienkredite befeuern den anhaltenden Immobilienboom in Deutschland. Laut einer aktuellen Auswertung von Euro Grundinvest würde der immense Preisanstieg bei Immobilien auch dann nicht ausgebremst, wenn die Konditionen für Finanzierungen in Zukunft wieder teurer werden. Der Immobilienexperte hat hierfür die Entwicklung der Immobilienpreise in München mit der Entwicklung der Zinsen für Immobilienkredite im Zeitraum von 1980 bis heute auf Grundlage der zehnjährigen Pfandbriefrenditen verglichen. „Zwar zeigen unsere Studien, dass die aktuelle Niedrigzinsphase für 84 Prozent der Privatanleger ein Hauptgrund für eine Immobilieninvestition wäre. Dass die Nachfrage nach Objekten bei steigenden Kreditzinsen nachlassen würde, lässt sich daraus nicht automatisch schlussfolgern“, sagt Jacqueline Reinhold, Head of Corporate Affairs bei Euro Grundinvest.

Dass München nicht seinen ersten Immobilienboom in den letzten 35 Jahren erlebt, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Im langfristigen Aufwärtstrend lassen sich drei Boomphasen erkennen, von denen zwei Phasen in Zeiten deutlich steigender Kreditzinsen fallen. „Vom Prinzip handelt es sich dabei um eine logische Konstellation. Hohe Nachfrage heizt in der Regel die Preise und damit die Inflation an. Mit steigenden Zinsen wird eigentlich versucht, dem Markt Geld zu entziehen und ihn abzukühlen“, erklärt Reinhold.

Ungewöhnlicher sei vielmehr die aktuelle Situation, dass die Kreditzinsen in den letzten Jahren auf Rekordtief sind und weiter sinken – trotz der enorm steigenden Immobilienpreise. Eine Ursache sind die extrem unterschiedlichen Konjunkturentwicklungen in Europa. Deutschland profitiert vom billigen Geld, das eigentlich die Wirtschaft in den Krisenländern ankurbeln soll.

Die drei Boomphasen des Münchner Immobilienmarktes im Detail:

  • Von 1980 bis 1983 haben die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen von 1.090 Euro auf 1.430 Euro zugelegt. Das entspricht einer Preissteigerung von 30 Prozent. Die Zinsen für Immobilienkredite lagen in diesen drei Jahren zwischen rund acht und zehn Prozent – und damit ein Vielfaches über dem heutigen Niveau.
  • Von 1988 bis 1992 kletterten die Preise für Wohneigentum binnen vier Jahren um circa 70 Prozent von rund 1.500 Euro auf knapp 2.600 Euro. Die Zinsen für Immobiliendarlehen zogen in diesem Zeitraum von sieben auf neun Prozent an.
  • Von 2010 bis 2014 verdoppelten sich die Quadratmeterpreise von rund 3.000 Euro auf knapp 6.000 Euro. In dieser Zeit sanken die Kreditzinsen von rund vier Prozent auf deutlich unter drei Prozent.
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